Gedichte, Texte, Tröstliches

Diese Seite wird immer wieder ergänzt. Schauen Sie doch mal wieder rein!


Trost
 
Unsterblich duften die Linden -
Was bangst du nur?
Du wirst vergehn, und deiner Füße Spur
Wird bald kein Auge mehr im Staube finden.
Doch blau und leuchtend wird der Sommer stehn
Und wird mit süßen Atemwehn
Gelind die arme Menschenbrust entbinden.
Wo kommst du her? Wie lang bist du noch hier?
Was liegt an dir?
Unsterblich duften die Linden -

Ina Seidel


Das zweite Leben

Beweg den Mond,
reiß ihn aus
seiner Wurzel.
Der Himmel ist
tief.
Du wirst die Flut
abwarten müssen,
dann kannst du
die Erde vergessen,
und jenseits
der Gezeiten
bricht ein Licht auf,
in dem du
ein zweites Mal
lebst.

Peter Härtling


Irdisches Geleit

Alles ist dir verliehen
Für eine flüchtige Zeit
So wie die Wolken dort ziehen,
Sei du zur Reise bereit.

Eigentum darfst du nicht nennen
Kaum deine eigne Gestalt,
Glaubst du sie endlich zu kennen,
Bist du verändert und alt.

Gib den wartenden andern,
Noch leiden sie mehr als du,
Zum unvergleichlichen Wandern
Brauchst du nur Stab und Schuh.

Oda Schäfer


Die Blätter fallen, fallen wie von weit
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
 
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
 
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke                                                                                                     


Wir Menschen.
Wir.
Das unsere Hände
doch behutsamer
ineinandergriffen,
sich zum Troste.

Paula Ludwig


Mein Bewusstsein –
Leuchtend und rein –
Untrennbarer Bestandteil des Großen
Strahlungskörpers –
Kennt weder Geburt noch Tod.
Es ist das unveränderliche Licht.
 
Tibetanisches Totenbuch
 
 
Nicht das ist ja das Ziel,
dass die Toten zurückkommen
oder wir sie festhalten,
sondern dass wir ihnen nachgehen;
dass wir unseren Weg auf dieser Erde so
gehen,
dass er uns näher zu ihnen hinführt.
Ich glaube auch, dass die Toten es wohl
empfinden,
mit welchen Gedanken wir zu ihnen
hindenken.
Also schicke deine besten Empfindungen
hinüber,
eine Liebe und Dankbarkeit
und deine Bereitschaft loszulassen.
Schick dein Gebet hinüber,
für sie und für alle, die drüben sind.
Gib ihnen ihren Weg frei
und bereite dich darauf vor, sie zu finden
wenn du selbst hinüberkommst.

Jörg Zink


Aus Requiem
Clara Westhoff gewidmet
 
und du lebtest in Ungeduld
denn du wusstest: das hier ist nicht das Ganze
Leben ist nur ein Teil…..Wovon?
Leben ist nur ein Ton…..Worin?
Leben hat Sinn nur, verbunden mit vielen
Kreisen des weithin wachsenden Raumes,-
Leben ist so nur der Traum eines Traumes,
aber Wachsein ist anderswo.
So ließest du´s los.
Groß ließest du`s los.
 
Rainer Maria Rilke


Wir sind , was wir denken. Alles, was wir sind, taucht auf mit unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken kreieren wir die Welt.
 
Buddha


Letzte Wiederkehr
Ins Nichts.
Weltreise,
nach der
ich mich sehnte.
 
Die Erde
Tanzt um mich
libellengleich
Mit ihr
als Sternenherz
verglühn.
 
Rose Ausländer


Memento
 
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
 
Allen im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
 
Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
- Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muß man leben.
 
Mascha Kaleko


Vom Leben
Welch ein Irrtum zu glauben,
das Leben sei da, uns gerecht zu werden.
Es ist ein Geschenk, dem wir
gerecht werden müssen.
Das Leben versagt sich keinem,
nur wir versagen uns ihm -
viel zu oft.

Christine Busta